Smarte Brillen: Was sie können und wie man sie auf Reisen nutzen kann
Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Italien und eine Brille hilft Ihnen bei einem Gespräch in einer Fremdsprache, führt Sie durch die verwinkelten Gassen Venedigs, beantwortet Ihnen die Frage, wer Andrea Palladio war, oder erzählt Ihnen etwas über die Geschichte des Markusplatzes. Und wenn Sie etwas interessiert, können Sie ein Foto oder Video aufnehmen, ohne zuvor das Telefon aus der Tasche holen zu müssen. Aus einer technologischen Neuheit wird nach und nach ein praktischer Helfer, den wir mit in den Urlaub nehmen können.

Von Technologiemessen bis auf die Laufstege
Die Entwicklung smarter Brillen wird heute zunehmend auch von Design und Mode beeinflusst. Die Hersteller bemühen sich darum, dass neue Modelle nicht nur wie technische Geräte wirken, sondern auch wie gewöhnliche Brillen oder Sonnenbrillen. Technologieunternehmen arbeiten deshalb auch mit Brillenherstellern und Modemarken zusammen.
Im Jahr 2025 erhielt das System der smarten AR-Brille Rokid AR Spatial während der Milan Design Week eine Auszeichnung für technisches und ästhetisches Design. Ein Jahr später zogen smarte Brillen auch während der Milan Fashion Week Aufmerksamkeit auf sich. Mark Zuckerberg, dessen Unternehmen Meta hinter den smarten Brillen Ray-Ban Meta steht, setzte sich in die erste Reihe der Prada-Show, zu einer Zeit, als sich diese Modemarke auf eine mögliche Einführung eigener KI-Brillen vorbereitete.
Unter der Bezeichnung „smarte Brille“ verbergen sich dabei verschiedene Gerätetypen. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich in ihren Funktionen und in der Art, wie sie dem Nutzer Informationen vermitteln. Manche kommunizieren vor allem per Sprache, andere können Untertitel, Navigation oder weitere Informationen direkt vor den Augen anzeigen. Eine technischere Version des Artikels finden Sie auf der Website von Veneto Technologies. Für Reisende ist jedoch vor allem interessant, was smarte Brillen direkt unterwegs alles bieten können.

Übersetzung, die Sie immer griffbereit haben
Veneto wird von Touristen aus der ganzen Welt besucht, und auf Reisen begegnen wir ganz selbstverständlich Menschen, die eine andere Sprache sprechen. Selbst Kenntnisse einer der Weltsprachen müssen dabei nicht immer ausreichen. Unterschiedliche Kenntnisstände, unterschiedliche Aussprachen oder komplexere Aussagen können die Kommunikation erheblich erschweren. Gerade die Übersetzung gehört zu den interessantesten Funktionen smarter Brillen für Reisende. Einige aktuelle Modelle unterstützen fast 90 Sprachen und können gesprochene Sprache nahezu in Echtzeit übersetzen.
Die Person vor Ihnen spricht in ihrer Sprache, und je nach Brillentyp hören Sie die Übersetzung oder lesen Sie sie als Untertitel direkt vor Ihren Augen. Bei Modellen mit bidirektionaler Übersetzung können Sie in Ihrer eigenen Sprache antworten, und die Übersetzung Ihrer Antwort wird der anderen Person auf dem Telefon angezeigt oder von der App laut abgespielt.
Eine solche Hilfe ist im Hotel, im Restaurant, im Geschäft oder in der Autovermietung nützlich. Noch wichtiger kann sie sein, wenn Sie eine wichtige Information richtig verstehen müssen, zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle oder beim Besuch der Notaufnahme. Die Übersetzung wird von künstlicher Intelligenz erstellt, daher muss man mit Ungenauigkeiten rechnen. Bei Gesundheitsinformationen, Behördengängen oder rechtlich relevanter Kommunikation bleibt daher ein qualifizierter Dolmetscher die richtige Wahl.


Veneto mit einem persönlichen KI-Reiseführer
Künstliche Intelligenz in smarten Brillen kann als persönlicher Reiseführer fungieren, den Sie immer bei sich haben. Bei Modellen mit Kamera kann sie zudem mit dem, was Sie gerade ansehen, arbeiten. So können Sie nach dem Gebäude vor Ihnen, einem Kunstwerk, einer lokalen Spezialität oder einer Sehenswürdigkeit fragen, die Sie unterwegs entdeckt haben. Ein Vorteil ist die Möglichkeit, mit weiteren Fragen fortzufahren und das Entdecken an die eigenen Interessen anzupassen. Ein Architekturliebhaber kann in Palladios Werk eintauchen, jemand anderes in die Geschichte der Republik Venedig, in die lokale Gastronomie oder in die Geschichten einzelner Sehenswürdigkeiten. Aus einer klassischen Führung kann so eine viel persönlichere Art entstehen, einen Ort zu entdecken.
Die Informationen liefert eine künstliche Intelligenz, die sich auch irren kann. Bei wichtigen Fakten ist es daher sinnvoll, die Angaben zu überprüfen.
Venedig direkt vor den Augen
Venedig ist für die Navigation eine etwas besondere Welt. Enge Gassen, Brücken, Durchgänge und kleine Plätze können aus einem scheinbar einfachen Weg schnell einen unerwartet langen Spaziergang machen. Bei smarten Brillen mit unterstützter Navigation können Anweisungen per Ton oder, bei Modellen mit Display, direkt vor den Augen angezeigt werden. So müssen Sie nicht bei jeder Abzweigung das Telefon herausziehen und die Karte prüfen. Dasselbe Prinzip lässt sich auch bei weiteren Ausflügen in der Region anwenden. Die konkreten Navigationsmöglichkeiten hängen jedoch immer vom Brillenmodell und der verwendeten App ab.


Urlaub aus Ihrer Perspektive
Eine der interessanten Funktionen smarter Brillen ist die Möglichkeit, einen Moment aus der eigenen Perspektive festzuhalten. Sie müssen nicht das Telefon herausziehen, es entsperren und die Kamera öffnen. Bei einigen Modellen genügt es, einen Knopf zu drücken oder einen Sprachbefehl zu geben, und das Foto oder Video entsteht direkt aus der Sicht der Person, die die Brille trägt. Gerade die Ich-Perspektive unterscheidet smarte Brillen vom gewöhnlichen Fotografieren mit dem Telefon. Sie können eine Situation so festhalten, wie Sie sie gerade erleben, und dabei die Hände frei haben. Fotos und Videos lassen sich anschließend auf das Telefon übertragen, speichern, bearbeiten und teilen.


Ein Begleiter für den ganzen Tag
Aktuelle smarte Brillen nähern sich in Aussehen und Tragekomfort zunehmend den klassischen Fassungen an. Einige Modelle wiegen etwa 40 bis 60 Gramm, und bei vielen lassen sich auch Korrektions-, Sonnen- oder selbsttönende Gläser verwenden. Eine praktische Frage auf Reisen ist die Akkulaufzeit. Sie hängt von der Art der Nutzung ab. Kamera, Video, Übersetzung oder Display verbrauchen mehr Energie, sodass bei intensiver Nutzung während eines ganztägigen Ausflugs das Nachladen hilfreich sein kann. Einige Modelle nutzen ein Ladeetui, das man mitnehmen kann.
Viele smarte Brillen funktionieren in Verbindung mit einer App auf dem Mobiltelefon und kommunizieren mit dem Telefon beispielsweise über Bluetooth. KI, Übersetzung, Navigation und weitere Online-Funktionen können gleichzeitig die Internetverbindung des Telefons nutzen. Auf Reisen ist es daher gut, nicht nur an einen geladenen Akku zu denken, sondern auch an ausreichendes mobiles Datenvolumen und an die Signalverfügbarkeit. In Städten und Küstenresorts ist die Verbindung meist problemlos verfügbar, bei Fahrten in die Dolomiten und andere Orte mit schwächerem Signal können jedoch einige Funktionen eingeschränkt sein. Ausgewählte Modelle bieten einige Funktionen auch offline an.

Smarte Brillen auch auf der anderen Seite der Rezeption
Übersetzung kann auch für Hotels, Campingplätze, Restaurants, Informationszentren oder Reiseagenturen interessant sein. Ein Mitarbeiter an der Hotelrezeption kann dadurch mit dem Gast in dessen Sprache kommunizieren, das Restaurantpersonal versteht die Frage eines ausländischen Besuchers besser, und ein Mitarbeiter im Informationszentrum hilft bei der Orientierung oder bei der Planung der Verkehrsanbindungen. In Regionen wie dem Veneto, in die Besucher aus der ganzen Welt kommen, können smarte Brillen die Kommunikation sowohl für Touristen als auch für die Menschen erleichtern, die sich während des Aufenthalts um sie kümmern.
Wie viel kostet die Reise in die smarte Welt
Die Preise für smarte Brillen liegen heute im Bereich von mehreren hundert Euro. Fortgeschrittenere Modelle können 800 Euro und mehr kosten. Hinzu können Kosten für Korrektionsgläser, Zubehör sowie für KI- und Übersetzungsdienste kommen. Bei der Auswahl einer smarten Brille für Reisen ist es daher sinnvoll, mit den Funktionen zu beginnen, die Sie tatsächlich nutzen werden. Für den einen ist die Übersetzung am wichtigsten, für den anderen der KI-Assistent, die Navigation, das Fotografieren oder eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten. Es lohnt sich auch, die unterstützten Sprachen, die Kompatibilität mit dem Telefon sowie die Akkulaufzeit zu prüfen.
Privatsphäre unterwegs
Smarte Brillen können mit Kamera, Mikrofon, Stimme, Fotos oder Standort arbeiten. Einige Daten können auch über Online-Dienste verarbeitet werden. Vor der Nutzung ist es daher sinnvoll, die App-Einstellungen durchzugehen und herauszufinden, wie das konkrete Gerät mit Daten umgeht, welche Informationen es speichert und welche Funktionen offline genutzt werden können. Dabei sollte auch die Privatsphäre der Menschen um uns herum berücksichtigt werden. Eine direkt in die Brille integrierte Kamera ist weniger auffällig als eine klassische Kamera. Beim Fotografieren und Filmen gelten daher der Respekt vor der Privatsphäre anderer Menschen sowie die Regeln des jeweiligen Ortes.



Helfer oder eine weitere Technologie, von der wir uns erholen müssen?
Smarte Brillen können unterwegs eine Reihe von Situationen lösen, für die wir heute zum Telefon greifen. Sie übersetzen ein Gespräch, helfen bei der Orientierung, geben Informationen über den Ort, den wir gerade entdecken, oder helfen in unerwarteten Situationen. Gleichzeitig werfen sie die Frage auf, wie viel Technologie und wie viele Informationen wir eigentlich mit in den Urlaub nehmen wollen. Der ständige Zustrom von Benachrichtigungen, Empfehlungen und digitalen Inhalten kann genau das sein, wovon wir uns in unserer freien Zeit erholen möchten. Und vielleicht können wir noch weitergehen.
Müssen wir beim Blick auf jede Sehenswürdigkeit sofort wissen, wann sie entstanden ist, wer sie gebaut hat und was genau wir daran sehen sollen? Oder reicht es manchmal, einfach wahrzunehmen, spazieren zu gehen, die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen und sich vor Ort ohne weitere Informationen einen eigenen Eindruck zu verschaffen?
Intensive Nutzung smarter Brillen kann auch zu Augenmüdigkeit oder einem allgemeinen Müdigkeitsgefühl führen, insbesondere bei Modellen, die digitale Inhalte direkt vor den Augen anzeigen. Daher ist es sinnvoll, sie unterwegs nach Bedarf zu verwenden und regelmäßige Pausen einzulegen. Bei smarten und AR-Brillen können sich außerdem die Altersempfehlungen und Einschränkungen je nach Hersteller unterscheiden. Vor der Nutzung durch Kinder ist es daher ratsam, die Empfehlungen für das jeweilige Modell zu prüfen.
Wirklich smartes Reisen muss also nicht bedeuten, ständig online zu sein und über den Ort, den wir besuchen, wirklich alles zu wissen. Es kann bedeuten, Technologie genau in dem Moment nutzen zu können, in dem sie uns hilft. Die Speisekarte übersetzen, das richtige Vaporetto finden, etwas über einen Ort herausfinden, der uns wirklich interessiert, oder in einer unerwarteten Situation zurechtkommen. Und sie dann wieder auszuschalten. Auch die Möglichkeit, nichts zu suchen, nichts zu lesen und stattdessen einfach die Umgebung wahrzunehmen, kann Teil des smarten Reisens sein.
